Agile Moderation | Mein bester Feedback-Kniff! Mit gratis Download-Vorlage

Die Feedback-Debatte ist seit vielen Jahren ein beliebtes und heiß umstrittenes Them. Die Einen schwören auf direkte und kritische Rückmeldungen, um beim Gegenüber die Entwicklung anzustoßen und blinde Flecken bewusst zu machen. Die Anderen warnen vor negativem Feedback und betonen den Schaden der angerichtet werden kann. Beide Thesen sind meines Erachtens nach wichtig und beachtenswert. Gerade in der agilen Moderation braucht es eine Variante die beide Ansätze auf gute Weise integriert. Denn wir wollen im agilen Kontext schnell und konstruktiv auf den Punkt kommen.

JOHARI und blinde Flecken

Schon in den 60er Jahren haben die Psychologen Joseph Luft und Harry Ingham mit ihrem JOHARI-Fenster die Bedeutung von blinden Flecken eindrücklich illustriert. Blinde Flecken sind eigene Verhaltensweisen und Eigenschaften, die allen um uns herum bekannt sind, außer uns selbst.

Agile Moderation, Johari-Fenster

 

Agile Moderation, Feedback-Methode

Der Hinweis unseres Umfelds auf diese blinden Flecken ist für unsere Entwicklung absolut wertvoll und wichtig. Sowohl um uns selbst besser kennenzulernen als auch um Reaktionen zu verstehen, die wir in unserer Umwelt durch unser Verhalten auslösen. Wichtig dabei ist die Art der Botschaft. Denn sobald Rückmeldungen als Kritik oder Vorwurf ankommen bewirken Sie Schaden statt Nutzen.

 

 

Ich- und verkappte Du-Botschaften in agilen Teams

Um solche Rückmeldungen in agilen Teams konstruktiv zu formulieren und die Projektionen des Feedbackgebers offen zu legen, helfen die sogenannten Ich-Botschaften (Ich nehme x wahr … das löst y bei mir aus … ich wünsche mir z …).

Agile Moderation, Feedback-Modell

Doch leider führen diese erlernten Formulierungsstrategien zum Gegenteil. Statt positiv zu wirken und das Gegenüber zu ermutigen passiert das Gegenteil: Statt ich Botschaften werden verklausulierte Vorwürfe und Du-Botschaften gesendet. In unzähligen Teamentwicklungen habe ich solche verunglückten Ich-Botschaften gehört, die in erster Linie Frustration und Rechtfertigung auslösen, als dass sie für den Empfänger hilfreich sind.

 

Beispiele verunglückter Ich-Botschaften:

Teamleiter zur Mitarbeiterin: „Schon seit geraumer Zeit habe ich den Eindruck, Sie engagieren sich nicht für die gemeinsamen Ziele. Das frustriert auch die Kollegen und verhagelt die Stimmung im Team.“

Bereichsleiter zum Mitarbeiter: „Ich habe das Gefühl, du beteiligst dich nicht an unseren Meetings und Teamaufgaben. Ich erwarte mehr Engagement von dir.“

Hand auf’s Herz: Denken Sie, solche Botschaften führen zu Lust auf Entwicklung und zur Stärkung der Zusammenarbeit? Natürlich sind das keine wahren Ich-Botschaften, sondern versteckte Du-Botschaften. Doch so läuft Feedback in der Realität leider sehr oft ab.

 

Gottman und die 5:1 Regel

Damit so etwas wie in den Beispielen nicht passiert, hilft die Forschung von John Gottman. Der amerikanische Paartherapeut hat über viele Jahre die Streitkultur von Ehepaaren beobachtet. Dabei trieb ihn die Frage um: Was machen stabile und glückliche Ehen anders? So fand er u.a, die 5:1 Regel heraus: Glückliche Paar geben einander sehr wohl kritische Hinweise, doch sie verknüpfen jede Kritik mit 5 positiven Botschaften. Das können Komplimente sein oder auch nur ein Augenzwinkern bzw. ein Lächeln.

In Teams erscheint diese Regel allerdings schwierig umsetzbar. Was bei Paaren gut funktioniert, führt zwischen Führungskräften und Mitarbeitern oder unter Kollegen meist zu weichgespülten und wenig authentischem Feedback. Der Empfänger merkt dabei die Mühen des Gebers, erst mal 3–5 positive Dinge zu benennen, bevor er zu der für ihn eigentlich relevanten Botschaft kommt (die ihm wichtig ist). Das kann gekünstelt und vorhersehbar wirken und dadurch auch keine gewünschte Entwicklung anstoßen.

 

Mein bester Feedback-Kniff für Ihre agile Moderation: Das PLUS PLUS Feedback

Im letzten Jahr habe ich eine Variante gefunden, die Feedback meiner Erfahrung nach wirklich konstruktiv macht und beim Gegenüber Resonanz erzeugt. Dadurch werden tatsächlich zielgerichtete und wirksame Impulse gesetzt, die einen Menschen in seiner Selbsterkenntnis und Entwicklung weiterbringen können. Der Dreh beim PLUS PLUS Feedback besteht im Reframing, sprich der Umdeutung der Kritikpunkte oder Wünsche des Feedbackgebers in eine zielgerichtete Botschaft. Statt Kritik zu verpacken wird das „statt dessen“ Verhalten verbalisiert:

Statt: „Du interessierst dich nicht für uns als Team und schaust nur auf unsere Arbeits-Performance.“ wäre das Plus Plus Feedback so:

Agile Moderation, Feedback-Modell, Plus Plus FeedbackIch finde es stark, wie fokussiert du auf unsere Aufgabenbewältigung und Performance achtest. Wenn Du dich zusätzlich auch noch ab und zu nach unserem Befinden erkundigst (einmal pro Woche) oder unsere Sorgen anhörst, dann würde ich mich als Teammitglied von dir noch mehr gesehen und verstanden fühlen.“

So einfach? Ja genau so einfach und wirkungsvoll. Doch VORSICHT: Auch das einfache Plus Plus will geübt sein. Umdeuten der wahrgenommenen Schwächen und „Statt dessen“ Verhalten bedarf konsequentem Umdenken!!!

Als einfaches Tool für Ihre agile Moderation laden Sie sich hier gratis eine Druckvorlage für Plus Plus Feedback-Zettel herunter:

 

Lassen Sie sich oder Ihre Mitarbeiter zu agilen Moderatoren ausbilden, damit werden Ihre Meetings und Workshops garantiert wirkungsvoller: Hier finden Sie Informationen zur Ausbildung.

4 Kommentare

  1. Herbert SChober-Ehmer|14. Juni 2019

    ein wirklich feiner und zugleich wichtiger (auch theoretisch gut abgesicherter) methodischer Aspekt – Danke

    • claudia|16. Juni 2019

      Ich freue mich sehr über Feedback zum Feedback :-)))

  2. Marc Schmetkamp|16. Juni 2019

    Danke für diesen wunderbaren Leitfaden. Es kann doch so einfach sein.

    • claudia|16. Juni 2019

      Sehr gerne lieber Marc 🙂

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