• Wie verhalten wir uns als agile Coaches in der Krise?
  • Was sind die entscheidenden Schlüssel im Umgang mit uns selbst und unserem Auftrag als Coach?
  • Sind wir so wendig, wie wir es propagieren?
  • Was hilft uns selbst und anderen in Krisen wie jetzt am meisten?

Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, liebe Coaches und Moderatoren, doch ich habe ein paar Tage gebraucht, um mit meiner Rolle und Haltung als agiler Coach und Berater zurecht zu kommen. Irgendwie bestaunte ich Kollegen, die schon scheinbar am ersten Tag der Krise wussten, wo es lang geht und Ihre Haltung dazu nicht nur gefunden hatten, sondern sie direkt öffentlich propagieren konnten. Mein Umfeld, inklusive mir selbst, befanden sich zu dem Zeitpunkt noch in den typischen Phasen der berühmten Change Kurve von Elisabeth Kübler Ross.

Und genau das ist vermutlich der Generalschlüssel für uns Coaches im Umgang mit Krisen. Jeder in seinem individuellen Tempo und Ausprägung braucht die Phasen der eigenen Wandlung und Selbstfürsorge. Das ist der Nährboden und die entscheidende Kompetenz für alle anderen 8 Schlüssel, die wir als Coach in Krisen brauchen, um unserem Auftrag gut gerecht werden zu können. Immer wieder propagieren wir als agile Coaches und Moderatoren das agile Mindset und die Haltung: Wir sprechen von wendiger Beweglichkeit, iterativem Handeln und dem Umgang mit einem unsicheren, disruptiven Umfeld. Genau diese Haltung und Herangehensweise ist aktuell gefragter denn je.

Die folgenden Denk- und Handlungskompetenzen sind Schlüssel, die wir als agile Coaches/ Moderatoren und Botschafter jetzt am inneren Schlüsselbund benötigen:

1. Schlüssel: Selbstreflektion als Generalschlüssel

Die angesprochenen 7 Wandlungs-Phasen beeindrucken mich immer wieder in ihrer Treffsicherheit. Nach dem ersten Schock (Phase 1) belächelte ich Corona als unbedeutend und sprühte dann in der Phase der Verweigerung (Phase 2) vor Aktionismus und Optimismus. Einsicht (Phase 3) entstand als alle Aufträge abgesagt wurden und in der Welt immer mehr Krankheit um sich griff. Emotionale Akzeptanz (Phase 4) spürte ich als Krankheitsfälle und Trauer mich berührten. Ich konnte die Krise und ihre Auswirkungen annehmen. Danach begann intensives Ausprobieren (Phase 5) von neuen Möglichkeiten und Chancen mit meinen Kollegen. Sowohl beruflich wie auch privat entdecke ich viele Ressourcen und bisher ungeahnte Möglichkeiten. Unglaublich viele Erkenntisse (Phase 6) und eine steile Lernkurve haben wir im Team innerhalb kürzester Zeit gewonnen. Sage und schreibe vier neue Online Angebote haben wir innerhalb von 1.5 Wochen entwickelt. Inspiriert von einem völlig neuen „Wir Gefühl“, sowohl mit meinen Kollegen wie auch mit Kunden, wird die Integration (Phase 7) des Neuen zur Selbstverständlichkeit.

Ob das so bleibt, kann ich nicht sagen. Ich weiß nur eines: ich werde mich achtsam weiterbewegen und mein Umfeld dazu ermutigen, das Gleiche zu tun.

2. Schlüssel: Ressourcen Blick:

Der Coach erkennt in jedem Menschen und in jeder Situation die verborgenen Ressourcen. Durch Reframing spiegelt er dem Mitarbeiter / Team die Stärken, die in dem Thema oder Problem enthalten sind.

3. Schlüssel: Mitgefühl

Mitgefühl (nicht zu verwechseln mit Mitleid) mit den Sorgen und Ängsten, die jetzt bei dem ein oder anderen ausgelöst werden. Im Mitgefühl schaut der Coach auf die Ressourcen seines Gegenübers und ist voller Vertrauen in dessen Fähigkeiten; eigene Wege und Lösungen zu finden.

4. Schlüssel: Achtsamkeit

Gerade im Online Kontakt ist die eigene Achtsamkeit besonders gefordert. Jeder Blick, Geste, Nicht Beteiligung braucht unsere Aufmerksamkeit. Damit wir in Online Meetings oder Telefonkonferenzen unser Gegenüber nicht emotional verlieren, ist es besonders wichtig, sich anbahnende Störungen direkt anzusprechen.

5. Schlüssel: Ermutigung

Erst wenn wir als Coach selbst die Phasen eigener Unsicherheiten und Ängste bewusst durchlaufen und von daher kennen, können wir authentisch ermutigen. Mut entsteht, wenn wir der Angst ins Auge sehen und sie achtsam, aber bestimmt an die Hand nehmen, statt uns von ihr in die Irre leiten zu lassen. Fehler und Schwächen muss jeder haben dürfen, damit psychologische Sicherheit im Team entsteht.

6. Schlüssel: Orientierung:

Seien Sie als Coach wie ein Kompass, der Orientierung gibt. In Krisen und im disruptiven Umfeld reicht eine Orientierung für die nächsten kleinen Schritte. Iteratives Denken und Handeln ist jetzt gefragt. Das, was wir in der Agilität propagieren, wird jetzt um so relevanter: Iteration, kleine Schritte und schnelle Anpassung, Aktion und Reflektion.

7. Schlüssel: Rollenklärung

Gerade in Krisen zählt das Wir Gefühl und der Teamgeist. Jeder wird gebraucht, und das wollen Menschen spüren. Eine verteilte Führung durch die unsichere Zeit braucht stärkenorientierte Rollen. Sprechen Sie über die Rollen, die jetzt im Team gebraucht werden (Stärkenfinder, Connector, Visionär, Kummerkasten …)

8. Schlüssel: Blick aufs Ganze

Ängste und Sorgen lassen uns sprichwörtlich die Tür zu machen. Wir rücken gerne zusammen und lassen von außen niemand mehr rein. Als Coach haben wir die Aufgabe, dieser Tendenz entgegen zu wirken und bewusst für den Blick aufs Ganze zu sorgen: Kundenorientierung, neue Wege der Digitalisierung, Vernetzung, gemeinsame Projekte, Lernen und „Out of the Box“ Denken bringt uns und die Teams jetzt weiter und macht uns bereit für Entwicklung. Krisen sind Wendepunkte (Crisis aus dem griech. heißt Wendepunkt). Nutzen Sie die 3 Horizonte als strategische Neuausrichtung.

9. Schlüssel: Agilität als Weg

Gerade jetzt sind die agilen Werte und Prinzipien so wertvoll. Übersetzen Sie als Coach die Werte und Arbeitsprinzipien und beschließen Sie mit dem Team daraus Handlungen und Vereinbarungen für die Krisenzeit. Nutzen Sie Design Thinking, um Neues miteinander zu gestalten, hinterfragen Sie Gepflogenheiten, misten Sie Altes aus, kümmern Sie sich um die Teamentwicklung, und nutzen Sie gemeinsam die Zeit für Reflexion und Neuausrichtung.

Hier geht’s zu unserer: Ausbildung zum Agilen Coach